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Wels gedachte Opfern des Nationalsozialismus Im Welser Messegelände sowie im Pollheimerpark gedachte die Stadt Wels am Montag, 9. November den Opfern des Nationalsozialismus: Als Erinnerung an die schrecklichen Vorkommnisse im KZ Wels II wurde bei einer – corona-bedingt ohne Publikum stattfindenden – Gedenkveranstaltung ein Gedenkstein beim Park vor dem ehemaligen Messebüro von Bürgermeister Dr. Andreas Rabl und Messepräsident Hermann Wimmer enthüllt (Bild). Das Lager Wels II bestand von 25. März bis 13. April 1945. Untergebracht wurden die rund 2.000 Häftlinge in der 1938 am Welser Messegelände errichteten Reichsnährstandshalle (spätere Halle der Nationen). Zwei Häftlinge sollen Historikern zufolge ermordet worden sein, zwei oder vier sowjetische Häftlinge (unterschiedliche Zeugenaussagen) sollen nach einem Fluchtversuch erhängt worden sein. Am 13. April 1945 wurde das Lager geräumt und alle Häftlinge nach Ebensee evakuiert. Der Transport dürfte zahlreiche Todesopfer gefordert haben.

Im Anschluss an die Gedenkstein-Enthüllung erfolgte eine Kranz-Niederlegung durch Bürgermeister Dr. Rabl beim Mahnmal für die Welser Juden im Pollheimerpark. Damit gedachte die Stadt Wels dem Jahrestag der Reichspogromnacht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gingen die Nationalsozialisten im gesamten „Großdeutschen Reich“ mit äußerster Brutalität gegen die wehrlose jüdische Minderheit vor. Die meisten Welser jüdischer Abstammung wurden bis Herbst 1938 aus der Stadt vertrieben, ihr Eigentum wurde „arisiert“. Deshalb blieb es in Wels während der Reichspogromnacht ruhig. Trotzdem führte die Judenverfolgung in dieser Nacht auch hier zu einem Toten: Karl B. beging aus Verzweiflung Selbstmord. Nach der Befreiung von der NS-Herrschaft kehrten nur fünf Verfolgte zurück. Die Stadt Wels ehrt das Andenken ihrer Opfer des antisemitischen Terrors seit 2004 mit eben jenem Mahnmal im Pollheimerpark.

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Auch wenn die Corona-Pandemie derzeit nahezu alles überlagert, ist der heutige Tag dem Gedenken gewidmet. Aus diesem Grund haben wir auch den Gedenkstein errichtet, um an jene zwei Wochen zu erinnern, in denen rund 2.000 Menschen im Lager Wels II in Gefangenschaft waren. Viele davon sind beim Arbeitseinsatz gestorben. Die Schrecken der Reichspogromnacht und des Nazi-Terrors dürfen nie in Vergessenheit geraten. Nur so können wir aus der Geschichte lernen.“

Messepräsident Hermann Wimmer: „Wir möchten die Besucher am Gelände der Messe Wels unter dem Motto ‚Niemals vergessen‘ zum Verweilen und Nachdenken einladen. Denn es ist unsere Pflicht, an einem Ort wie diesem den Geschehnissen von damals zu gedenken.“

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Bildquelle: www.wels.gv.at

Wels gedachte Opfern des Nationalsozialismus